Schnippeln für die Gründungsversammlung

(siehe auch Bildergalerie/Schulleben)

 

 

Bildung Die Schülergenossenschaft Multi-Steps nimmt offiziell ihre Arbeit auf – Catering und Cafébetrieb sind Arbeitsfelder Von unserer Redakteurin Christina Nover

M Asbach. Der Geruch nach gebratenem Hackfleisch zieht durch die verlassenen Gänge der Realschule plus in Asbach. In der Küche herrscht geschäftiges Treiben: Schüler schnippeln Zwiebeln, Kartoffeln und anderes Gemüse, in großen Töpfen blubbert Chili con Carne vor sich hin. Die Mädchen und Jungen, die zwischen den Herdplatten ihrer Arbeit nachgehen, haben einiges vor: Sie sollen am Abend für eine ganz besondere Veranstaltung das Essen kochen. Es geht um die Gründungsversammlung der Schülergenossenschaft Multi-Steps (wir berichteten). Suppen, Salate und Häppchen aber sind nicht nur dazu da, um die Mägen der Anwesenden zu füllen, sie sind gleichzeitig auch Präsentation des Tätigkeitsfeldes von Multi-Steps.

Seit dem vergangenen Sommer haben die Schüler der Realschule die Gründung der ersten Schülergenossenschaft in Rheinland-Pfalz vorbereitet. Vor allem die Theorie erforderte viel Durchhaltevermögen – ein Businessplan für die Schülerfirma musste geschrieben, ein Finanzplan aufgestellt und eine Satzung erstellt werden. Doch die Arbeit hat sich gelohnt, findet Max Kohr: „Erst mal war das sehr langweilig, aber wenn ich jetzt sehe, was wir geschafft haben, freue ich mich richtig, weiterzumachen.“ Die Gruppe von 21 Schülern hat es sich zum Ziel gesetzt, unter dem Namen „Food-Step“ Catering anzubieten – zunächst einmal für schulinterne Veranstaltungen. Außerdem wollen sie regelmäßig kostengünstige Verpflegung zur Verfügung stellen. Dazu haben sie bereits einen Raum umgestaltet („Art-Step“), der als Schülercafé dienen wird. Es trägt den Namen „Chill-Step“. Geplant ist, dass in der kommenden Woche das erste Mal Getränke und Snacks dort verkauft werden.

Die Erlöse aus Aufträgen und dem Café-Betrieb fließen in die Kassen der Schülerfirma. Am Ende des Geschäftsjahres sollen dann, ganz nach dem genossenschaftlichen Prinzip, die Erträge an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Zwar gehe es schon darum, Geld zu verdienen, aber auch der soziale Gedanke spielt eine große Rolle. „Wir wollen den Alltag für Schüler und Lehrer schöner machen“, erklärt Kohr. Und auch der 14-jährige Philip Böhm erklärt: „Es ist schön, etwas für die Schule tun zu können.“ Er wird zusammen mit einem Mitschüler die Kasse betreuen und sich um die Buchhaltung kümmern. Praktisches Lernen – besser kann Schule gar nicht funktionieren, ist die Meinung von Schulleiter Berthold Becker: „Das ist learning by doing in Reinkultur.“

Unterstützung erhalten die Schüler dabei von Bastian Hallerbach, ihrem zuständigen Betreuer bei der Raiffeisenbank Neustadt, die Partner bei dem Projekt ist. „Sie können jederzeit zu mir kommen“, so Hallerbach. Ein Umstand, der laut Richard Junker-Santoleri, dem projektverantwortlichen Lehrer, besonders entscheidend ist: „Die Schüler sehen, dass sie in der Erwachsenenwelt als vollwertige Gesprächspartner anerkannt werden – das tut ihnen total gut.“ Junker-Santoleri ist Lehrer für Wirtschaft und Verwaltung an der Realschule plus, neben ihm haben noch mehrere pädagogische Fachkräfte viel Zeit in das Projekt investiert. „Wenn am Ende auch nur eine Lehrstelle dabei herausspringt, hat sich der Aufwand gelohnt“, so Marita Sessenhausen. Die Schüler erhalten für ihr Engagement ein Arbeitszeugnis, das sie bei einer Bewerbung vorlegen können.

RZ Linz, Neuwied vom Mittwoch, 12. Februar 2014